GUTE NACHRICHTEN - Impulse für deinen Glauben. Wir haben ein paar Tipps und Anregungen für dich persönlich, aber auch für den gemeinsamen Jugendkreis oder die Mitarbeit in CVJM und Gemeinde.

Das Evangelium nach Markus: Eigene Entdeckungen teilen ...

Vorbemerkungen

Im Neuen Testament finden wir vier Evangelien, die das Leben Jesu erzählen. Matthäus, Markus, Lukas und Johannes beschreiben Jesu Wirken und Handeln, seinen Tod und seine Auferstehung. Das Markusevangelium ist der kürzestes von ihnen. Vielleicht habe ich gerade darum immer wieder besondere Begegnungen mit diesem biblischen Buch gemacht …

In der theologischen Ausbildung an der Evangelistenschule Johanneum war es die Geschichte des blinden Bartimäus (Markus 10,46-52), die wir gemeinsam aus dem Griechischen Urtext übersetzt, "durchgekaut" und schließlich gepredigt haben. Noch heute denke ich gerne an diese ausführliche Beschäftigung (Exegese) zurück.

Vor einigen Jahren hat mir eine Bibelarbeit zum Thema "Nachfolge" von Timothy J. Geddert sehr imponiert: Ich erinnere mich, wie er davon erzählt hat, dass er das komplette Markusevangelium auswendig gelernt hat, um es so noch intensiver zu verinnerlichen. Seine unkomplizierte und klare Auslegung von Markus 1,16-20 sind mir im Gedächtnis geblieben und ermutigen mich, biblische Texte immer wieder auch "Wort für Wort" zu erarbeiten und darüber nachzudenken, wie „Nachfolge“ aussehen kann.

Und dann ist da noch eine Veranstaltung beim Christival 2015: Studierende der Hochschul-SMD haben das Markusevangelium "wortwörtlich" nachgespielt. Die Aufführung hat ca. 90 Minuten gedauert. Damit wird gut sichtbar, wie lange man ungefähr braucht, um dieses biblische Buch wie ein Roman am Stück zu lesen.

Drei unterschiedliche Begegnungen mit dem Markusevangelium, die mich nun dazu bringen, (noch einmal) selber in und mit diesem Buch auf Entdeckungsreise zu gehen. Ich habe mir den Text der Bibel, die ich zu Beginn meines Konfirmationsunterrichts bekommen habe – und in der ich zu Hause bin –, kopiert. Wenn es die Zeit zulässt, nehme ich mir den Text, lese und "meditiere" ihn, mache mir bunte Notizen zu Fragen und Beobachtungen. Mit dabei dann auch der griechische Urtext, andere Bibelübersetzungen sowie einige Kommentare und Auslegungen, in denen ich hier und dort stöbere, zum Beispiel:

  • GNILKA, Joachim | EKK, Das Evangelium nach Markus, Neukirchen 1978 - 1. Auflage der Studienausgabe 2010
  • DOUGLASS, Klaus u.a. | Expedition zum Anfang, Glashütten 2013
  • WRIGHT, Tim | MARK for EVERYONE, 2001
  • GEDDERT, Timothy J. | Mark, 2001
  • CALVIN, Johannes | Auslegung der Heiligen Schrift, Evangelien Harmonie 1.+2. Teil, 1555 - Neue Reihe, Neukirchen-Vluyn 1966

Meine Entdeckungen versuche ich im Folgenden schriftlich festzuhalten. Der abgedruckte Bibeltext ist aus der Lutherbibel 1984 (dem Text meiner "Konfi-Bibel") und für (m)ein "meditatives Bibellesen" in kurze Sinnabschnitte wiedergegeben.
Wer weiß, vielleicht werden diese Impulse für andere Leserinnen und Leser zur Ermutigung, sich eigenständig dem Markusevangelium zu nähern, und damit dem lebendigen Christus selbst zu begegnen.

Öffne mir die Augen, dass ich sehe, die Wunder an deinem Gesetz.
Psalm 119,18

Sven Körber,
im Herbst 2017

Markus 1,1

© medienREHvier.de / Anja Brunsmann

Dies ist der Anfang
des Evangeliums
von Jesus Christus,
dem Sohn Gottes.

Markus 1,1 | Lutherbibel 1984

Der Evangelist Markus gibt seinem Werk eine kurze aber prägnante Überschrift. Im griechischen Urtext besteht diese aus sieben Wörtern und startet wie der Schöpfungsbericht zu Beginn der hebräischen Schriften, unserem Alten Testament:

  • Genesis 1,1: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Wir wissen nicht genau, ob Markus selbst Jesus begegnet ist – aber er hat ganz sicher erlebt, wie Menschen zu Christus-Nachfolgern geworden sind, wie sich das Evangelium, die frohe Botschaft ausgebreitet hat. Gemeindegründungen und frühchristliche Briefe geben davon Zeugnis.
Nun erzählt Markus (als Erster, noch vor Matthäus, Lukas und Johannes) den Beginn der Geschichte von Jesus, den Anfang der frohen Botschaft, des Christus (dt. Gesalbter, auch "Retter"), des Sohnes Gottes …

Übrigens: Der Name Jesus ist die griechische Bedeutung des hebräischen Jehoscha (Josua), bzw. die Kurzform Jeschua. Der Name bedeutet "JHWH ist Rettung, ist Hilfe" oder kurz "Gott hilft".

Ganz zu Beginn ermutigt damit der Evangelist seine Leser: Schaut euch die Geschichte von Jesus Christus, dem Sohn Gottes genau an. Manches habt ihr vielleicht schon gehört, einiges ist euch nicht unbekannt, aber jetzt gehen wir gemeinsam an den Anfang der frohen Botschaft "Gott hilft" zurück. Gott setzt in Jesus Christus einen Neuanfang und wir sind eingeladen, uns von seinem Evangelium ansprechen zu lassen, mit hineingenommen zu werden.

  • "Mark’s Gospel is much more than a historical report of the life, death, and resurrection of Jesus and his message, a challenge to faithful discipleship, a theological and a literary masterpiece." – GEDDERT, Timothy | Mark, Page 27

  • "Mark moves quickly to Jesus’ ministry. In only seven verses, Mark reports how the way for Jesus was prepared by prophets of old (1:2-3) and by John the Baptizer (1:4-8). In another seven verses, Mark shows how the adult Jesus is inaugurated into his ministry. He is baptized by John (1:9), affirmed and commissioned by God (1:10-11), and tempted by the devil (1:12-13). Then Jesus steps ont0 the Galilean stage to announce the arrival of God’s kingdom and to call people to repentance and faith (1:14-15)." – GEDDERT, Timothy | Mark, Page 28

  • "For Mark, the whole Gospel narrative is the beginning of the good news. Mark writes a narrative so that the Christians in his das will know how it all began. It all began with Jesus’ life und ministry, death and resurrection. That is what makes discipleship and mission possible." – GEDDERT, Timothy | Mark, Page 31

Markus 1,2-8

MANGA MESSIAS, Seite 47 | Brunnen Verlag

Wie geschrieben steht
im Propheten Jesaja:
"Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her,
der deinen Weg bereiten soll."
"Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste:
Bereitet den Weg des Herrn,
macht seine Steige eben!",
so war Johannes in der Wüste,
taufte und predigte
die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.
Und es ging zu ihm hinaus das ganze judäische Land
und alle Leute von Jerusalem
und ließen sich von ihm taufen im Jordan
und bekannten ihre Sünden.
Und Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
und einen ledernen Gürtel um seine Lenden
und aß Heuschrecken und wilden Honig.
Und er predigte und sprach:
Nach mir kommt der, der stärker ist als ich;
ich bin nicht wert, dass ich mich vor ihm bücke
und die Riemen seiner Schuhe löse.
Ich habe euch mit Wasser getauft;
aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Markus 1,2-8 | Lutherbibel 1984

Zu Beginn schlägt Markus eine Brücke ins Alte Testament: Nur hier – es ist das einzige im ganzen Evangelium – gibt es ein wörtliches alttestamtliches Zitat.

Dabei ist, anders als im Text erwähnt, nicht nur Jesaja zitiert, sondern auch der Prophet Maleachi (als "Mischzitat" mit einem Wort aus dem Exodusbuch). Dürfen wir die Frage stellen: Wie "gut" kennt sich Markus im Alten Testament aus? Auch an anderen Stellen, so viel kann hier schon erwähnt werden, wird deutlich, dass der Evangelist auf hebräische Ausdrücke verzichtet. Oder: Spielt die Kenntnis des Alten Testaments für seine Zielgruppe, die Empfänger seiner Schrift nur eine untergeordnete Rolle?

Und noch eine Frage: Vor wem her soll der Weg bereitet werden? Vor Jesus Christus? So die klare Mehrheit der Ausleger. Können aber vielleicht auch wir als Leser – du und ich – gemeint sein? In den zitierten alttestamentlichen Stellen ist immer das Volk Israel angesprochen, die, die mit Gott schon unterwegs sind – dies wird besonders auch im Kontext des Jesajawortes sichtbar:

  • Maleachi 3,1: Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt!, spricht der HERR Zebaoth.
  • 2.Mose/Exodus 23,20: Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.
  • Jesaja 40: 1 Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. 2 Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden. 3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat's geredet. […] 9 Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg; Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht; erhebe sie und fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; 10 siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her. 11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte. Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.

Die Aussagen der einzelnen Texte können wir zusammenfassend so formulieren: Gott kommt! Er kommt zum Trost, zur Schuldvergebung, zum Neuanfang, zum Herrschen und zum Gericht. Das ist frohe Botschaft, das ist Evangelium!

Ein Bote wird dieses Kommen einleiten und vorbereiten: Johannes der Täufer. In wenigen Versen wird sein Dienst (v4), seine Wirkung (v5), sein Auftreten (v6) und seine Ankündigung (v7) beschrieben. "Lasst euch taufen! Bekennt eure Schuld. Ändert euer Leben! Gott will euch eure Schuld vergeben!"
Ganz deutlich: Seine Predigt hat Erfolg (wird vielleicht auch "etwas" übertrieben?!), das GANZE jüdische Land und ALLE Leute von Jerusalem lassen sich ansprechen. Wird damit vielleicht die große Sehnsucht der Menschen, nach dem, der kommen soll (oder auch nach Hilfe, Rettung, nach Gott selbst) angedeutet? Dafür könnte sprechen, dass auch bei dem Beginn des Wirken Jesus ganz viele Leute kommen, vgl. zum Beispiel:

  • Markus 3: 7 Aber Jesus entwich mit seinen Jüngern an den See und eine große Menge aus Galiläa folgte ihm; auch aus Judäa 8 und Jerusalem, aus Idumäa und von jenseits des Jordans und aus der Umgebung von Tyrus und Sidon kam eine große Menge zu ihm, die von seinen Taten gehört hatte.

Und zum Schluss der Predigt des Johannes dann der Hinweis auf Christus: "Nach mir kommt einer, der ist mächtiger als ich. Ich taufe nur mit Wasser, er aber wird mit dem heiligen Geist taufen." ER wird mit dem Geist taufen, der rettet und befreit.

Abschließend die Frage an uns: Wie bereiten wir uns auf das Kommen Gottes vor? Bin ich konkret bereit, mein Leben noch einmal neu auszurichten, zu verändern? Wo bin ich anderen – auch Gott gegenüber – schuldig geworden? Können mir die Zuhörer des Johannes zum Vorbild werden? Und dann der Hinweis auf Christus: "Da kommt einer, der helfen möchte, der Rettung schenkt."

  • "Die 'Gute Nachricht von Jesus Christus' beginnt dem Markusevangelium zufolge bereits Jahrhunderte vorher mit den Träumen der Propheten. Was Markus damit ausdrücken will, ist, dass wir Jesus niemals verstehen werden, wenn wir dies nicht vor dem Hintergrund des Alten Testaments tun. Diese Aussage ist insofern bedeutsam, weil Markus nicht für Juden schreibt, sondern für Griechen, die das Alte Testament eigentlich gar nicht kennen. Ein paar Sachen aber, sagt er, müssen wir von der hebräischen Bibel wissen, wenn wir Jesus richtig einordnen wollen.
    Die Propheten, die Markus hier zitiert, bewegte ein großer Traum: nämlich dass Gott und die Menschen wieder zueinander kommen. Irgendwann, so waren sie überzeugt, würde das geschehen. […] Das aber war der große Traum der Propheten: dass, wenn wir Menschen es nicht schaffen zu Gott zu kommen, Gott stattdessen zu uns Menschen kommt." – DOUGLASS, Klaus u.a. | Expedition zum Anfang, Seite 23-24
  • "In Mark, the voice (of John) is in the wilderness, but the way of the Lord is not only there. For Mark, the way will symbolize much more than simply what John prepares. It will ultimately become the way of the cross." – GEDDERT, Timothy | Mark, Page 32
  • "John’s ministry seems incredibly successful. The whole Judean countryside and all the people of Jerusalem come to be baptized. This hyperbole highlights the eagerness of the Jews to welcome the coming one; it serves as a contrast to the later overwhelming rejection of Jesus, when people discover who he is, how he comes, and what it will cost to follow him." – GEDDERT, Timothy | Mark, Page 32
  • "God’s Sprit would live with people, in people, becoming the air they breathe, the fire in their hearts. This is the promise they had lived on. John says it’s now going to come true. But are they ready for it?" – WRIGHT, Tom | MARK for EVERYONE, Page 3

Markus 1,9-11

Dieter Schütz / pixelio.de

Und es begab sich zu der Zeit,
dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam
und ließ sich taufen von Johannes im Jordan.
Und alsbald,
als er aus dem Wasser stieg,
sah er,
dass sich der Himmel auftat
und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn.
Und da geschah eine Stimme vom Himmel:
"Du bist mein lieber Sohn,
an dir habe ich Wohlgefallen."

Markus 1,9-11 | Lutherbibel 1984

Gerade noch hat Markus davon berichtet, dass Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem zu Johannes kommen, um sich von ihm taufen zu lassen (vgl. Markus 1,5). Nun betritt ein einzelner die "Bühne": Jesus aus Nazareth in Galiläa. Begegnen wir hier einem Gegensatz – dort die vielen, hier der eine, der später für die vielen eintritt?

  • Markus 10: 45 Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
  • Markus 14: 24 Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

In der Wirkungsgeschichte dieses Abschnittes wurde viel darüber diskutiert, warum Jesus sich taufen lässt. Darüber sagt der Text hier nichts – er beschreibt nur die "Wirkung".

Direkt nach der Taufe (das griechische Wort für "alsbald" kann auch mit "sofort", "sogleich" übersetzt werden – und kommt bei Markus häufig vor), als Jesus aus dem Wasser steigt, öffnet sich der Himmel. Im griechischen Urtext heißt es, dass der Himmel "aufriss". Das gleiche griechische Wort wird übrigens auch benutzt, als bei Jesu Tod der Vorhang im Tempel von oben bis unten in zwei Teile zerreißt.

  • Markus 15: 37 Aber Jesus schrie laut und verschied. 38 Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. 39 Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Macht dort das Zerreißen des Vorhangs deutlich, dass der Weg zu Gott jetzt für alle frei ist, können wir hier entdecken, wie der Himmel offen steht, und Gott sich selbst in seinem Sohn auf den Weg in diese Welt, auf den Weg zu seinen Menschen macht. Dort und hier wird Jesus übrigens als Sohn Gottes bezeichnet. Dort sagt es der Hauptmann, hier Gott selbst (wie auch in der Verklärungsgeschichte Jesu, vgl. Markus 9,7).

Der Himmel reißt auf. Gott greift ein. Es scheint, als ob sich nun erfüllt, was der Prophet Jesaja lange vor dem hier geschilderten Ereignis hofft und erbittet:

  • Jesaja 64: 1 Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab.

Der Himmel reißt auf – und der Geist Gottes kommt auf Jesus herab wie eine Taube. Die Taube steht in einigen bedeutenden Geschichten des Alten Testamentes für Rettung, Heil und Hilfe. Noah lässt nach der Sinnflut eine Taube fliegen, die ihm zeigt: Ja, der Regen hat aufgehört, neues Leben ist möglich (vgl. 1 Mose / Genesis 8). Und auch der Prophet Jona (dt. Taube) steht für Rettung und Gottes Barmherzigkeit.

Der Geist Gottes kommt "auf" Jesus herab. Das griechische Wort kann aber noch viel umfangreicher übersetzt werden: Der Geist Gottes kommt "in", "unter", "zwischen" oder auch "für" Jesus. Dabei können wir auch an Worte aus Jesaja 61 denken, Worte die Jesus im Lukasevangelium bei seiner Predigt in Nazareth selbst zitiert – Markus erwähnt sie jedoch nicht (vgl. Markus 6,3-6; Lukas 4,14-30):

  • Jesaja 61: 1 Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; 2 zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN und einen Tag der Vergeltung unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden.

Und dann: Gott selbst bekennt sich zu seinem Sohn. "Du bist mein Sohn, dich habe ich lieb, an dir habe ich Freude." Dieses Wort ist nur an Jesus gerichtet. Der Text erzählt nicht, dass die umherstehenden Leute es mitbekommen.

Gleichzeitig erinnert auch dieses Wort Gottes an Worte aus dem Alten Testament, Worte, die schon andeuten, dass Jesus sich der Liebe seines Vaters gewiss sein kann, er aber gerade darum als der Ausgewählte und "Gottesknecht" auch einen Weg vor sich hat, der schließlich ans Kreuz führt:

  • Psalm 1: 7 Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.
  • Jesaja 42: 1 Siehe, das ist mein Knecht - ich halte ihn - und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. 2 Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. 3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. 4 Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.
  • Jesaja 53: 4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. 6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. 7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

Wir können zusammenfassen: Gott bekennt sich in der Taufe zu seinem Sohn.
Auch wir lassen uns heute taufen und erinnern uns daran, dass Gott sich auch zu uns bekennt. Gott nimmt sich seinem Geschöpf an, er kümmert sich um uns, dich und mich. "Ich hab dich lieb." Was bedeutet uns die Taufe? Habe ich Erinnerungen an die eigene Taufe? Warum lassen wir unsere Kinder taufen?

  • "Anders als bei den Evangelisten Matthäus und Lukas beginnt die Erzählung des Markus nicht etwa mit der wunderbaren Geburt Jesu, sondern mit seiner Taufe. Merkwürdig: Hat er die Weihnachtsgeschichte nicht gekannt? Oder fand er sie nicht erwähnenswert? Auf jeden Fall kommt sein Glaube (und auch sein Jesusbild) gänzlich ohn Stall von Bethlehem, ohne Hirten und ohne Engelsbotschaft aus. Für ihn passiert das Entscheidende bei der Taufe Jesu: Gott selbst (und nicht die Engel) erklärt Jesus zu seinem Sohn. […] Jesus war zwar von Geburt an Gottes Sohn, nun aber – nachdem er rund dreißig Jahre ein ziemlich normales, unauffälliges Leben geführt hatte – sollte es losgehen: Jetzt sollte er sein ‚Amt‘ als Gottes Sohn öffentlich ausüben. […] Vielleicht können wir darum in dem Ansatz des Markus eine Chance sehen für all jene, die gerne an Jesus glauben möchten, denen es aber schwer fällt, an die Engelsnacht von Bethlehem oder gar die Jungfrauengeburt Jesu zu glauben. Sie befinden sich in guter, biblischer Gesellschaft. Offensichtlich muss man nicht an Weihnachten Glauben, um Jesus für den Sohn Gottes zu halten." – DOUGLASS, Klaus u.a. | Expedition zum Anfang, Seite 31-32
  • "The whole Christian gospel could be summed up in this point: that when the living God looks at us, at every baptized and believing Christian, he says to us what he said to Jesus on that day. He sees us, not as we are in ourselves, but as we are in Jesus Christ. It sometimes seems impossible, especially to people who have never had this kind of support from their earthly parents, but it’s true: God looks at us, and says, ‘You are my dear, dear child; I’m delighted with you.’ Try reading that sentence slowly, with your own name at the start, and reflect quietly on God saying that to you, both at your baptism and every day since." – WRIGHT, Tom | MARK for EVERYONE, Page 4-5

Markus 1,12-13

Wüste bei Jericho | die-bibel.de

Und alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste;
und er war in der Wüste vierzig Tage
und wurde versucht von dem Satan
und war bei den wilden Tieren,

und die Engel dienten ihm.

Markus 1,12-13 | Lutherbibel 1984

Jesus wird direkt nach seiner Taufe in die Wüste geschickt, vierzig Tage, durch den Geist Gottes. Auch hier beschreibt Markus - anders als Matthäus und Lukas - ganz knapp und kompakt.

Die Wüste ist ein Ort an dem sich Menschen zurückziehen - freiwillig oder "von Gott geführt" -, um Abstand vom Alltag zu gewinnen, um sich (wieder neu) auf Gott auszurichten. Dort kann Gottes Gegenwart und Fürsorge, seine besondere Nähe erlebt werden. Ein Ort mit großer biblischer Symbolik, genau wie die Zahl vierzig. Der Prophet Elia zieht vierzig Tage und Nächte durch die Wüste zum Berg Horeb (vgl. 1. Könige 19), das Volk Israel zieht vierzig Jahre durch die Wüste (vgl. 5 Mose / Deuteronomium 8,2) und Mose war vierzig Tage und Nächte bei Gott und schrieb zum zweiten Mal die Zehn Gebote auf Steintafeln (vgl. 2 Mose / Exodus 34,28).  

  • 5. Mose / Deuteronomium 8: 2 Und gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.

  • 2. Mose / Exodus 34: 28 Und er war allda bei dem HERRN vierzig Tage und vierzig Nächte und aß kein Brot und trank kein Wasser. Und er schrieb auf die Tafeln die Worte des Bundes, die Zehn Worte.

Jesus wird vom Satan auf die Probe gestellt (Markus nennt den "Gegenspieler" oder auch "Durcheinanderbringer" mit Namen). Bevor Jesus also öffentlich auftritt (wir können auch sagen: bevor er sein messianisches Amt aufnimmt), wird er von seinem Widersacher versucht (vgl. dazu u.a. auch 8,33).

  • Markus 8: 33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

Diese "Prüfung" findet direkt nach der Taufe statt. Vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass nach unserer eigenen Taufe immer wieder manches trotzdem "durcheinanderkommen" kann?!

Jesus war bei den wilden Tieren. Es wird nichts darüber erzählt, was dort passiert. Aber es scheint, als ob diese ihm nichts Böses antun können. Im Alten Testament ist es Daniel, dem Dank Gottes Hilfe in der Löwengrube nichts passiert (vgl. Daniel 6). Vielleicht ist diese Notiz aber auch ein Hinweis auf das Miteinander von wilden Tieren und anderen Geschöpfen in der messianischen Heilszeit, wie es im Buch des Propheten Jesaja beschrieben ist. Wenn Gott sein Reich aufrichten wird, werden wilde und "smarte" Tiere fröhlich und friedlich beieinander sein.

  • Jesaja 65: 17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. [...] 25 Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.

Engel dienen Jesus: Markus macht deutlich, Jesus ist in der Stunden seiner Versuchung nicht alleine. Vielleicht können wir hier an den gern gewählten Taufspruch aus Psalm 91 denken, allerdings geht das hier Geschilderte deutlich über die Worte aus Psalm 91 hinaus:

  • Psalm 91: 11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, 12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Jesus wird in die Wüste geführt. Auch in unserem Leben gibt es immer wieder "Wüstenzeiten", manches gerät dann "durcheinander". Aber wir dürfen hier entdecken: In "Wüstenzeiten" sind wir nicht alleine! Gott schickt Boten, die da sind - vielleicht Engel, vielleicht aber auch einfach "nur" Menschen, die uns ein gutes Wort zusprechen oder auch auf Gott selbst hinweisen. In unseren "Wüstenzeiten" möchte Gott uns begegnen und neu ausrichten.

  • "Für mich steht fest, dass Gott in der Person seines Sohnes wie in einem hellen Spiegel zeigen wollte, wie feindlich und missgünstig der Widersacher Satan dem menschlichen Heil gesinnt ist. Denn woher kommt es, dass er Christus so heftig angreift und in diesem Augenblick all seine Kraft und Leidenschaft gegen ihn entwickelt, wie es die Evangelisten schildern, wenn nicht daher, dass er sieht, wie sich Christus auf Geheiß des Vaters anschickt, die Menschen zu erlösen. [...] Weiter ist zu beachten, dass der Sohn Gottes sich den Versuchungen, um die es sich jetzt handelt, aus freien Stücken unterzog und mit dem Teufel gewissermaßen im Nahkampf stritt, damit er durch seinen Sieg uns den Triumph verschaffe. Darum wollen wir, immer wenn uns der Satan angreift, daran denken, dass seine Anläufe nicht anders ausgehalten und abgefangen werden können, als indem wir diesen Schild vorhalten. Denn natürlich erlitt der Sohn Gottes die Versuchungen auch deshalb, damit er ins Mittel treten könne, sooft der Satan bei uns irgendeinen Versuchungskampf anregt." - CALVIN, Johannes | Auslegung der Heiligen Schrift, Evangelien Harmonie 1. Teil, Seite 134

Markus 1,14-15

© medienREHvier.de / Anja Brunsmann

Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war,
kam Jesus nach Galiläa
und predigte das Evangelium Gottes
und sprach:
Die Zeit ist erfüllt
und das Reich Gottes ist herbeigekommen.
Tut Buße
und glaubt an das Evangelium!

Markus 1,14-15 | Lutherbibel 1984

Mit einer kurzen "Einleitung" führt Markus in das öffentliche Wirken Jesu ein. Dabei sind die ersten Worte Jesu weniger konkrete Predigt als vielmehr so etwas wie eine Zusammenfassung seiner anfänglichen Botschaft.   

Erst als Johannes der Täufer gefangengesetzt wird, beginnt Jesus seine öffentliche Tätigkeit. Das griechische Wort für "gefangengesetzt" kann auch "übergeben" oder "ausgeliefert" bedeuten und finden sich ebenfalls in den drei Leidensankündigungen Jesu im weiteren Verlauf des Evangeliums (vgl. 9,31; 10,33; 14,41). Und auch die Jünger, die Gemeinde selbst wird am Ende an die Feinde "übergeben" (vgl. 13,9-13). So deutet das gewaltsame Ende des Johannes hier vielleicht nicht nur schon von ferne das Schicksal Jesu, sondern auch das seiner Nachfolger an.

  • Markus 9: 31 Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen

  • Markus 10: 33 Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird überantwortet werden den Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden überantworten.

  • Markus 14: 41 Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Menschensohn wird überantwortet in die Hände der Sünder.

  • Markus 13: 9 Ihr aber seht euch vor! Denn sie werden euch den Gerichten überantworten, und in den Synagogen werdet ihr gegeißelt werden, und vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um meinetwillen, ihnen zum Zeugnis.

Jesus geht zurück nach Galiläa. Liegt es daran, dass dort - anders als in Jerusalem - wahrscheinlich am wenigsten "Widerstand" durch die führenden religiösen Kreise zu erwarten ist?! Dort verkündigt er das Evangelium (dt. "Gute Nachricht") Gottes. Das Wort Evangelium kommt neben der Überschrift (vgl. 1,1) bei Markus insgesamt noch siebenmal vor (vgl. 1,14; 1,15; 8,35; 10,29; 13,10; 14,9; 16,15). Das Evangelium Gottes können wir gleichsetzen mit dem Evangelium von Jesus Christus. Die "Gute Nachricht", die frohe Botschaft möchte verkündigt, gepredigt, weitererzählt werden.

Welche Zeit hat sich erfüllt? Die von Gott bestimmte Zeit ist da: Mit Jesu Wirken beginnt Gott von neuem ganz konkret und endgültig sein Königreich hier auf der Erde aufzurichten.

Und wieder die Aufforderung, wie bei Johannes (vgl. 1,4): Ändert euer Leben. Mehr noch: Und vertraut der frohen Botschaft, dass das Reich Gottes in dieser Welt sichtbar wird. ER kommt, um zu retten, um einen Neuanfang zu schenken, um dem Bösen die Macht zu nehmen.

  • "Mark has carefully chosen this word. Here John is handed over; later Jesus will be handed over (14 times [Greek] 'paradidomi' refers to Jesus' passion; e.g. 3:19; 10:33); still later the disciples will be handed over (three times [Greek] 'paradidomi' refers to their passion; e.g. 13:9-13).
    Each time someone is handed over, a new stage in the proclamation of the good news is reached. The handing over of one leads directly into the ministry of another. [...]
    The passion of John opens the door to the expanded kingdom ministry of the Messiah; the passion of Jesus will open the door to the expanded kingdom of his followers; their ministry in turn will lead to the evangelization of the whole world." - GEDDERT, Timothy | Mark, Page 35-36

  • "Was aber genau meint Jesus mit "Reich Gottes"? Wörtlich übersetzt heißt es 'Königsherrschaft'. Es handelt sich also nicht um einen fest umrissenen Bereich (wie etwa ein konkretes Land oder auch eine bestimmte Kirche), sondern um einen sehr dynamischen Begriff: Reich Gottes ist nicht irgendwo, sondern es ereignet sich dort, wo Gott zu regieren beginnt. 'Reich Gottes' ist überall da, wo Gott beginnt, Einfluss zu nehmen. Jesus war der Überzeugung, dass dies überall dort passiert, wo sich Menschen für sein (Jesu) Handeln und sein Wort öffnen. Da kommt Gott zu den Menschen und füllt ihre Leben mit seiner Gegenwart." - DOUGLASS, Klaus u.a. | Expedition zum Anfang, Seite 41-42

Markus 1,16-20

Blick auf den See Genezareth

Als er aber am Galiläischen Meer entlangging,
sah er Simon und Andreas, Simons Bruder,
wie sie ihre Netze ins Meer warfen;
denn sie waren Fischer.
Und Jesus sprach zu ihnen:
Folgt mir nach;
ich will euch zu Menschenfischern machen!
Sogleich verließen sie ihre Netze
und folgten ihm nach.

Und als er ein wenig weiterging,
sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder,
wie sie im Boot die Netze flickten.
Und alsbald rief er sie
und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Boot mit den Tagelöhnern
und folgten ihm nach.

Markus 1,16-20 | Lutherbibel 1984

Hier lesen wir (wieder auffällig kurz und knapp) von der ersten "Tat", die Jesus vollbringt: Er sucht sich Mitstreiter. Er ist ein Teamplayer, will Menschen, die ihn begleiten, nachfolgen und von ihm lernen. Menschen, die dann selber zu "Menschenfischern" werden und Zeugnis geben von der guten Nachricht, vom Evangelium.

Von zwei Brüderpaaren wird berichtet, Geschwister, die sich rufen lassen: Folgt mir nach! Alle sind Fischer. Jedoch: Die einen haben eher "griechische" Namen (Andreas und Simon), Jakobus und Johannes sind eher semitische (hebräische) Namen. Die einen werfen ihre Netze aus, die anderen flicken ihre Netze. Die einen verlassen ihre Netze, die anderen ihren Vater (der im ganzen Evangelium nur hier in Erscheinung tritt). Beschreibt Markus hier unterschiedliche Typen: Auf der einen Seite die "Macher" Simon und Andreas, dort die "Familienmenschen" Jakobus und Johannes? Übrigens: Simon, der später auch Petrus genannt, ist der erst- und letztgenannte Jünger bei Markus (vgl. 16,7).

Auffällig auch wieder das Wort "alsbald", bzw. "sogleich". Es scheint, als ob Markus zeigen möchte, wenn Jesus auftritt, passiert (direkt?!) etwas.

Jesus ruft – und hat eine Aufgabe: Er will die Menschen. Menschen, die ihm nachfolgen. Menschen, die wiederum andere Menschen "fischen" und diese ermutigt: Folgt ihm, glaubt an die gute Nachricht.

Wir entdecken schon hier am Anfang des Markusevangeliums: Es geht bei Jesus immer um den Menschen. Im Evangelium geht es um die Rettung des Menschen. Die Mitte des Evangeliums ist der Gott, der sich in seinem Sohn um die Menschen kümmert, seine Geschöpfe nicht loslässt, sie sieht, sie aufsucht, mit ihnen spricht und sie einlädt: Folgt mir nach, ich will euch zeigen, wie ihr das Leben leben könnt, wie euer Leben "gelingt".

Jesus ruft und die Jünger folgen. Es wird immer wieder diskutiert, was die Jünger zurücklassen. Lassen sie alles zurück: Haus, Beruf und Familie? Wir werden später sehen, dass sich Jesus oft im Haus des Simon Petrus aufhält. Was müssen die vier also aufgeben? Davon lesen wir hier erst mal nichts – nur so viel: Nachfolge bedeutet hier persönlichen Anschluss an Jesus, teilhaben an seinem Leben. Sie folgen Jesus nach. Er darf sie führen, ihm vertrauen sie sich an – und damit (im Laufe des gemeinsamen Weges) auch ihr ganzes Leben. Sie folgen Jesus nach und vertrauen darauf, dass er es gut mit ihnen meint.  

Jesus ruft – damals, als er am Galiläischen Meer (oder auch dem See Genezareth) entlang geht und vier Fischer anspricht. Auch heute noch lassen sich immer wieder Menschen durch sein Wort ansprechen. Und wie sieht meine ganz persönliche Geschichte aus? Hat er mich schon angesprochen? Bin ich breit Jesus zu folgen? Will ich selber "Menschenfischer" werden, mich seinem Team anschließen? Wie kann das konkret aussehen?

Jesus will den Menschen, Jesus will uns auf unserem Lebensweg führen und begleiten. Bin ich bereit, mich (wieder neu) darauf einzulassen?

  • "Erstens wird hier die Macht des Rufes Christi deutlich. Nicht eine Stimme allein dringt so wirksam in die Herzen der Menschen ein, sondern der Herr, der sie an sich ziehen und an sich reißen will, drängt sie durch seinen Geist innerlich dazu, seinem Ruf zu gehorchen. Zweitens wird an den Jüngern ihre Bereitschaft zum Lernen und zum Gehorsam gelobt; denn sie ziehen die Berufung durch Christus allen Beschäftigungen in der Welt vor." – CALVIN, Johannes | Auslegung der Heiligen Schrift, Evangelien Harmonie 1. Teil, Seite 159

  • "The way Mark tells the story sends echoes ringing back through the scriptures, the larger narrative of God’s people. ‘Leave your country and your father’s house’, said God to Abraham, ‘and go the land I will show you.’ Abraham, like Peter and the others, did what he was told, and went where he was sent. Mark is hinting to his readers that the old family business of the people of God is being left behind. God wants a new poetry to be written, and is calling a new people to write it.
    And the name of the poem is ‘the kingdom of God’. This was what all Israel had been waiting for. It wasn’t a new piece of good advice. It wasn’t a new political agenda. It wasn’t a new type of spirituality. It might eventually lead to advice, agendas and certainly to prayer, but it was itself something more than all of these. It was the good (and extremely dangerous) news that the living God was on the move, was indeed now coming into his kingdom. And it demanded a definite response. It was ‘God’s good news’." – WRIGHT, Tom | MARK for EVERYONE, Page 8-9

  • "Jesus favorisierte noch vor seinen Predigten und Heilungen das rabbinische Modell der Jüngerschaft. Es gibt keinen besseren Weg, das Evangelium von der Liebe Gottes in dieser Welt zu verbreiten, als einzelne Menschen zu berufen, zu befähigen und zu begleiten, bis sie selbst in der Lage sind, dieses Evangelium wirkkräftig an andere weiterzugeben. […] Wenn Menschen mit Jesus zusammen leben, strahlt das aus. Ihr Glaube, ihre Liebe und ihre Hoffnung zieht Kreise, und andere Menschen werden für die gute Nachricht von Jesus gewonnen. Das geht gar nicht anders: Ein Eisen, das man ins Feuer hält, fängt selbst an zu glühen." – DOUGLASS, Klaus u.a. | Expedition zum Anfang, Seite 48-49

Fortsetzung folgt ...